Bombenfund: Kanal wochenlang gesperrt

Oderberg - Der Oder-Havel-Kanal wird voraussichtlich bis Ende Mai vollständig für die Schifffahrt gesperrt sein. Wie die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) über das Informationssystem ELWIS mitteilt, gilt die Sperrung nahe der Lehnitzbrücke in Oranienburg sowohl für die Berufsschiffahrt, als auch für den Verkehr mit Sportbooten. Grund ist nach Informationen der Stadt Oranienburg ein Bombenfund in einem Kleingarten unmittelbar am Ufer der wichtigsten Wasserstraße der Region. Bei Bauarbeiten war in der vergangenen Woche ein Blindgänger mit 500 kg Gewicht gefunden worden.

Still liegt der Oder-Havel-Kanal in Oderberg. Nur ein Frachter passierte noch am Sonntag. Bild: Pik


"Wir müssen alle Vibrationen vermeiden", sagte eine Sprecherin des Ordnungsamtes der Kreisstadt der Märkischen Allgemeinen Zeitung (MAZ, Samstagsausgabe Online). Aus dem Grunde seien neben dem Schiffsverkehr auch die Anlieger in der Kleingartenanlage nördlich des Kanals betroffen. Einzig Paddler können die gesperrte Stelle über die Oranienburger Innenstadt umfahren. Für die Frachtschiffe sind aber dort keine geeigneten Schleusen vorhanden.

Schwierige Lage und hohes Grundwasser

Nach Behördeninformationen wird die Sperrung sich mindestens bis Ende Mai hinziehen. Momentan sei unklar, wie der genaue Zustand des Zünders und des Sprengstoffs ist. Der Blindgänger müsse genau untersucht werden. Unklar ist bislang auch, wie das hohe Grundwasser von der Fundstelle abgeleitet und die Bergungsmaßnahmen organisiert werden sollen. Rund um die Fundstelle wurde ein Sperrkreis eingerichtet, heißt es von der Stadtverwaltung.

Damit ist der wesentliche Wasserweg von Berlin nach Norden und Osten blockiert. Frachtschiffe müssen einen Umweg über den Oder-Spree-Kanal und Eisenhüttenstadt in Kauf nehmen. Je nach Schiffstyp und Beladung sind das bis zu fünf Tagesfahrten mehr, als auf dem direkten Weg über Oranienburg und das Schiffshebewerk Niederfinow. Auch ist die Sperrung ein herber Schlag für den Wassertourismus. Nachdem bereits die Schleuse Zaaren an der Havel wegen Munitionsbergung und die Schleuse Ragöse wegen Instandhaltungsarbeiten länger dich bleiben, kommen Hobbykapitäne nunmehr gar nicht mehr auf direktem Wege von Berlin in die Wassersportreviere nördlich der Hauptstadt.

Auch Flusskreuzfahrten sind betroffen. Zwei große Reiseveranstalter wollten sich am Montagmorgen gegenüber der Oderberger Zeitung nicht äußern. Aus einer Änderungsbestätigung, die dieser Zeitung vorliegt, geht aber hervor, dass auf mindestens einer Flusskreuzfahrt die Reisepunkte Schiffshebewerk und Kloster Chorin gestrichen wurden und nur noch fakultativ per Bus angefahren werden. Immer wieder kommt es in der Gegend um Oranienburg zu Munitionsfunden. Die Stadt nördlich Berlins war im Zweiten Weltkrieg ein Zentrum des Flugzeugbaus und somit Ziel häufiger Alliierter Luftschläge. Zahlreiche Fliegerbomben fielen als Blindgänger in die Umgebung und kamen im feuchten märkischen Boden nicht zur Explosion.
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pvk
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Oderberger Zeitung

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