Historischer Sonderzug bleibt in Tantow liegen

Oderberg - Der historische Sonderzug, der am Freitag von Berlin nach Szecin (Stettin) und zurück fahren sollte, ist in den Nachmittagsstunden im uckermärkischen Tantow havariert. Wie der Berliner Abgeordnete Sven Heinemann (SPD) der Oderberger Zeitung auf Nachfrage bestätigte, barst an der D-Zug-Lok der Regler. Der Politiker hatte den Sonderzug öffentlichkeitswirksam begleitet, um für den zweigleisigen Ausbau der Strecke zu werben. Der Zug habe aufgrund des Defekts nicht weiter fahren können. Medienberichten zufolge wurden die Passagiere schließlich mit Bussen zurück nach Berlin gebracht.

Die betroffene Lok auf der Hinfahrt in Angermünde. Bild: Feuerwehr Angermünde

Heinemann teilte mit, dass die 11 historischen D-Zug Waggons in der Nacht mit einer Diesellok nach Berlin geschleppt worden seien. Sie seien dort mit etwa fünf Stunden Verspätung angekommen. Bei der Lok habe es sich um eine Baureihe 03 gehandelt. Knapp 300 dieser Schnellzugloks wurden zwischen 1930 und 1938 gebaut und waren bei der DR bis Anfang der 1990er Jahre im Regeldienst eingesetzt.

Die betroffene Lok wurde übrigens als "03 155" von 1984 bis 2009 durch den Verein EFO - Eisenbahnfreunde Flügelrad Oderberg e.V., Dieringhausen betrieben, wie aus der Fahrzeughistorie der Maschine auf der Website eisenbahn-museumsfahrzeuge.com hervorgeht.

Werbung für den Ausbau der Strecke

Anlass des Sonderzuges war das 175-jährige Jubiläum der Bahnstrecke Berlin-Stettin. Auf der 134 Kilometer langen Trasse waren 1843 erstmals Züge gerollt und im Frühjahr 1844 der Regelbetrieb mit Schnellzügen aufgenommen worden. Eine Fahrt vom Berliner Hauptbahnhof nach Stettin dauerte damals rund 80 Minuten. Heute sind Reisende und Pendler mehr als 120 Minuten zwischen den beiden Großstädten unterwegs. Grund sind Rückbauten an der Strecke. Sie ging zum Teil als Reparation nach dem Zweiten Weltkrieg in die Sowjetunion. Auch der geringere Reiseverkehr aufgrund der neuen polnischen Grenze trug zum Verfall der Strecke bei.

Doch es gibt große Pläne für die alte preußische Stammstrecke. So soll der zweigleisige Ausbau zwischen Eberswalde und Angermünde bereits 2021 beginnen und die gesamte Strecke während der 2020er Jahre wieder zweigleisig ausgebaut und elektrifiziert werden. Dann würde auch ein 30-Minuten-Takt zwischen Angermünde und Berlin möglich, was eine große Entlastung für die mehr als 4500 Berufspendler bringt, die täglich aus der Uckermark nach Berlin zur Arbeit fahren. Neben Eisenbahnfreunden und Politikern, begleiteten auch zahlreiche Helfer vor Ort und örtliche Initiativen die Sonderfahrt, um ein Zeichen für den Wiederausbau der Strecke zu setzen.
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pvk
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Oderberger Zeitung

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