Defekte Schleusen gefährden Wassersport Saison




Oderberg - Gleich zwei Schleusensperrungen drohen die Urlaubssaison 2019 im Barnim sprichwörtlich ins Wasser fallen zu lassen. Bereits im Januar teilte die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) mit, dass die Schleuse Ragöse am Finowkanal nicht zum Saisonbeginn ihre Tore öffnen könne. Anfang Februar folgte die zweite Hiobsbotschaft für Wasserwanderer, Gastronomen und Bootsvermieter: Auch die Schleuse in Zaren kann nicht bereits im Frühjahr wieder ihren Betrieb aufnehmen. Sie soll sogar bis zum 01. August geschlossen sein.

Die Schleuse Zaren sieht momentan zum Fürchten aus. Bild: WSA Eberswalde
"Damit ist die Hauptschlagader des Wasserwanderns im Nordosten durchtrennt", sagt Erhard Jübermann. Der Kanut und Herausgeber von Gewässerkarten kennt die deutsche Wassersportszene wie kein anderer. "Vor allem für die Charterer von Binnenyachten und Hausbooten ist das ein herber Schlag. Weder von Berlin zur Müritz noch von Berlin zur Oder sind attraktive Touren drin. Für Paddler heißt es Umtragen, was zumindest in Zaren auch vor den Bauarbeiten schon eine Tortur war." Die Bauverzögerungen an der Schleuse in Zaren erklärt das zuständige Wasser- und Schifffahrtsamt Eberswalde mit Munitionsräumungsarbeiten. An der Schleuse Ragöse sollen dagegen modrige Holztore und Biberfras schuld an den Verzögerungen sein. "Wir setzen alles daran bestmögliche Lösungen für die Regionen zu finden", erklärte der Amtsleiter des WSA Eberswalde Peter Münch in einem Pressestatement.

Mit der Route entfallen auch die Landgänge

Die beliebteste Wassersportroute der Region führt von Berlin die Havel hinauf zur Mecklenburger Seenplatte und zur Müritz oder umgekehrt. Sie scheint nun versperrt und andere Gewässer wie die Seenkette um Templin und Lychen, die Wentow-Gewässer oder die Feldberger Seenlandschaft fürchten ihrerseits den Überlauf durch ausweichende Wassersportler. Ähnlich sieht es am historischen Finowkanal aus. Er kann zwar schnell über den Oder-Havel-Kanal umfahren werden, damit gehen aber nicht nur zahlreiche Eindrücke, sondern auch viele Möglichkeiten für Landgang verloren. Das beutelt vor allem die Region Eberswalde. Ist die Tour dadurch langweilig, drehen viele Freizeit Skipper ich vor dem Schiffshebewerk ab, oder fahren einfach wie auf einer Autobahn auch durch Oderberg durch. Ob solcher Einschränkungen fragen sich viele Freizeitkapitäne, ob es sich überhaupt lohnt, ein Bungalow-Boot, eine Yacht oder ähnliches zu chartern und verleben die schönsten Tage im Jahr einfach auf andere Weise.

Über 300.000 Euro Verlust monatlich

Deutliche Worte findet der Förderverein "Unser Finowkanal e.V.". Er postete auf Facebook eine deutliche Ansage an das Bundesministerium für Verkehr und Infrastruktur. Dieses habe unter der Prämisse der Straßenförderung und der jahrelangen Führung von CSU-Ministern die Wasserwege und Schleusen kaputt gesparrt. Wie "BB-Radio" und "RBB" übereinstimmend berichteten soll auch der Landkreis Barnim inzwischen interveniert haben. So sei ein schnellerer Abschluss der Arbeiten an der Schleuse Zaren in der Schorfheide gefordert worden. Wenn das Bauwerk bis August gesperrt bleibe, entgingen Betrieben in der Region allein im April und Mai Umsätze von mehr als einer Dreiviertel Million Euro.

Dennoch setzt die Region weiter auf den Wassersport. Während einerseits sowohl der Finowkanal, als auch die Initiative Wassertourismus diese Woche auf der Internationalen Tourismusbörse (ITB) in Berlin vertreten sind, soll am Mittwoch im Oderberger Stadtentwicklungsausschuss die Planung für einen Rastplatz an der Alten Oder vorgestellt und beschlossen werden.
#
pvk
##
Oderberger Zeitung


Kommentare