Barnim geht bei neuen Pendelzügen leer aus

Oderberg - Bei den ab dem 01. April aufgestockten Angebot im Pendelverkehr zwischen Berlin und dem Umland gehen die Barnimer Eisenbahnstrecken leer aus. Wie der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) gemeinsam mit der DB Regio mitteilten, sollen ab dem 01.04. vier zusätzliche Loks und etwa ein Dutzend Bahnwaggons extra im Umlandverkehr eingesetzt werden. Die beiden Unternehmen sprechen von über 1.000 Sitzplätzen, mit denen das tägliche Angebot aufgestockt wird.

Dürfte gern etwas länger sein. Der RE3 bei Eberswalde. Bild: Bahnbilder.de


Allerdings soll keiner der zusätzlichen Züge auf den Strecken im Nordosten zum Einsatz kommen. Nutznießer der zusätzlichen Züge werden vor allem das Havelland, Teltow-Fläming und Potsdam sein. Hier werden die Linien RE7 und RB10 und RB13 verstärkt. Das kommt der Linie nach Nauen zu Gute. Im westlichen Speckgürtel mit den Zentren Nauen, Falkensee, Dallgow-Döberitz gab es früher eine S-Bahn-Verbindung, die aber seit dem Mauerbau 1961 nicht mehr besteht und auch seit der Wiedervereinigung auch nicht wieder aufgebaut wurde.

"Die Situation für Berufspendler auf hat sich in den vergangenen zehn Jahren rund um Berlin deutlich angespannt," sagt Verkehrsplaner Michael Rechler von der Technischen Universität (TU) Berlin. So sei die Zahl der täglich per Bahn in die Hauptstadt pendelnden Angestellten und Arbeiter seit 2007 um rund ein Drittel angestiegen. Insgesamt seien täglich 300.000 Menschen zwischen den beiden Bundesländern unterwegs.

Ostbarnim - eine Auspendler-Gegend

Zwar gelten zwischen Angermünde - Eberswalde und Berlin die VBB-Fahrscheine auch in den Intercity und ICE - Fernzügen der deutschen Bahn - dennoch sind vor allem die Bahnen am frühen Morgen und am Nachmittag brechend voll. Kein Wunder: Die Zahl der "Auspendler", also der Menschen, die den Barnim verlassen um zum Beispiel in Berlin zu arbeiten übersteigt die der Einpendler deutlich. So pendeln allein aus Oderberg täglich 561 Arbeitnehmer aus, sagt der Pendleratlas des RBB.

Auspendler aus den Orten des Ostbarnim

Oderberg         561
Liepe               249
Niederfinow    241
Hohenfinow    182
Britz                708
Eberswalde    6283
Lunow-Stol.    351
Parsteinsee      149
Chorin             785
Angermünde  3229

Eine engere Taktfolge zwischen Berlin - Bernau - Eberswalde - Angermünde scheitert momentan nicht nur am Mangel von Triebfahrzeugen und Personal. Auch die Infrastruktur hinkt hinterher. Der durchgängig zweigleisige Ausbau, der einen 30-Minuten-Takt zwischen der Hauptstadt und Angermünde ermöglichen soll, wird erst 2021 beginnen. Noch immer sind die Arbeiten am neuralgischen Karower Kreuz, über das viel Bahnverkehr am Berliner Außenring läuft, nicht vollständig abgeschlossen. Selbst wenn es also zusätzliches rollendes Material gäbe, könnte es kaum zu den Stoßzeiten eingesetzt werden.

Auch wenn die Wiederherstellung der Bahnverbindung der RB25 zwischen Werneuchen und Tiefensee immer wieder gefordert wird und einige Politiker sich auch die Wiederherstellung der Strecke von Tiefensee nach Wriezen wünschen, ist dies verglichen mit den täglichen Pendlerproblemen vor alle eines: Zukunftsmusik.
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pvk
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Oderberger Zeitung

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