Parsteinsee sitzt Lobbyprojekt auf

Oderberg - Die Gemeindevertretung der Gemeinde Parsteinsee hat in ihrer jüngsten Sitzung beschlossen, das Gemeindegebiet zur "wolfsfreien Zone" zu erklären. Nach Berichten von Sitzungsteilnehmern und der "Märkischen Oderzeitung" (Dienstagsausgabe), sei eine entsprechende Entschließung von der Vertretung angenommen wurden.

Um die 60 Rudel zählt inzwischen die Wolfspopulation in Deutschland. Bild: NABU


Bei der Initiative "wolfsfreie Zone" handelt es sich um ein Lobbyprojekt des Deutschen Bauernbundes, einem Verband der zumindest nach eigenen Angaben gern die Interessen der Agrarwirtschaft politisch vertreten möchte. Nach den Berichten, sei die Initiative von einzelnen Mitgliedern der Gemeindevertretung an ihn herangetragen worden, wird Bürgermeister Hans-Jürgen Otto in der "MOZ" zitiert. Im vergangenen Jahr waren wortgleiche oder vergleichbare Entschließungen bereits in den Ortsbeiräten Niederfinow und Liepe verabschiedet worden.

Landesregierung: Unverbindliche Willenserklärung

Allerdings haben die Entschließungen keine konkreten Auswirkungen. Einerseits kann ein freilaufendes Wildtier kaum durch ein Papier des Ortsbeirates an seiner Bewegung gehindert werden, andererseits steht der Wolf unter besonderem Schutz. Dies führte dazu, dass die beiden vorgenannten Gemeinden vom Land Brandenburg Post erhielten. Die Entschließung sei jeweils rechtsunwirksam und stelle lediglich eine "unverbindliche Willenserklärung dar", wie es vom Landesumweltamt heißt. Ein ähnliches Schreiben dürfte auch in Parsteinsee erwartet werden.

Der Bauernbund will mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen in den kommunalen Gremien darauf hinwirken, dass der strikte Schutzstatus des Wolfs aufgeweicht wird. Erst im Januar begrüßte die Interessenvertretung die Erschießung eines Wolfs bei einer Treibjagd im Landkreis Potsdam-Mittelmark. Ein holländischer Jagdgast hatte nach eigenen Angaben in Nothilfe für seine Jagdhunde auf den Isegrim geschossen und ihn getötet. Nach unterschiedlichen Medienberichten soll der Bauernbund auch juristische Unterstützung für den Jäger angeboten haben.

Einzelwolf zwischen Kanal und Parsteiner See

Auch wenn es im Barnim bisher keine bestätigen Wolfsrisse gibt, sorgt das Raubtier immer wieder für hitzige Gemüter in der Mark. "Zur Zeit haben wir ein einzelnes, männliches Tier im Revier", sagt Jagdrechtler und Jäger Dr. Wolfgang Lipps aus Liepe im Gespräch mit der Oderberger Zeitung. Anzeichen für eine Partnerin oder gar ein Rudel gäbe es aber nicht. Zuletzt sorgten Fotos in einer Facebookgruppe für Aufsehen. Sie sollen den Einzelgänger am Neujahrstag zwischen Oderberg und Neuendorf zeigen. Insgesamt sollen nach Zahlen des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) inzwischen mehr als 60 Rudel zwischen Oder und der holländischen Grenze leben. Die ersten Wölfe waren 2002 in Deutschland nach mehr als 150 Jahren Abwesenheit auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz gesichtet worden.
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pvk
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Oderberger Zeitung

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